Club Magazin SSGR

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Europe Training Radolfszell

Europe Training Radolfszell

Am 04. bis zum 06. September fand in Radolfzell am Bodensee ein Europe-Training statt, zu dem 13 Segler und Seglerinnen aus ganz Baden-Württemberg und dem Allgäu angereist kamen. Von uns waren wir zu viert dort. Insgesamt befanden sich unter den Seglern und Seglerinnen dabei Um- und Einsteigende wie Magnus, aber auch „alte Hasen“ wie mich. Vor allem unsere Einsteiger konnten viele Erfahrungen in dieser Bootsklasse sammeln.

Trainingsstart war am Freitagnachmittag bei schönem Wind und Sonnenschein. Von den Teilnehmenden waren berufsbedingt noch nicht alle angereist, und so starteten wir in kleinerer Runde. Schnell ging es mit unseren Trainern Jan und Urs aufs Wasser, wo wir Halsen und Wenden, sowie Tonnenrundungen und einige Starts übten. Vor besondere Herausforderungen wurden wir dabei von dem matschigen Einstieg ins Wasser gestellt, was dem aktuell sehr niedrigen Pegel des Bodensees geschuldet ist. Hier hieß es, mit vereinten Kräften schieben und ziehen, da die Slipwagen teilweise bis zum Rumpf der Boote feststeckten und wir manchmal bis fast zum Knie im Schlick. Wir waren froh, dass die Europe so leicht ist. Mit anderen Booten wäre das nicht gegangen. Letztendlich schafften es alle ins tiefere, Wasser und später vor allem wieder aus dem Wasser heraus. Steckt also niemand immer noch fest.

Anschließend wurde gemeinsam bei toller Stimmung von Natur und uns gegrillt. Der zweite Tag startete leider mit Flaute, weshalb wir den Vormittag mit einer kleinen Theorie und einer Sporteinheit überbrückten. Dabei lernten wir, wie man am besten aus physiotherapeutischer Sicht im Boot sitzt und hängt. Das war äußerst spannend. Außerdem konnten wir Neulinge unsere Boote mit den erfahreneren Europeseglern zusammen einmal durchgehen, so gab es bei manchen noch reichlich Optimierungsbedarf.

Nach der Mittagspause gingen wir dann bei leichtem Wind aufs Wasser, der Wind wurde allerdings in kürzester Zeit sehr stark, für manche sogar fast zu stark. Wir konnten unsere beigebrachten Hängepositionen gleich testen. Da dies jedoch sehr anstrengend ist, segelten wir dann erst einmal auf rasantem Halbwindkurs zur gegenüberliegenden
Seite des Sees, vor dem Mooser Hafen und suchten dort etwas Abdeckung, bevor wir mit dem geplanten Training weitermachen konnten. Unser Trainerduo ließ uns ein Team Match Race segeln und wir übten wieder Manöver und Starts.

Da der Wind immer noch recht stark war, haben dabei auch einige Einsteiger gleichzeitig unfreiwillig Kenterübungen machen können. Am Abend ließen wir den Tag wieder bei einer gemeinsamen
Grillrunde ausklingen, bei der wir auch blaue Flecken zählen konnten.
Am Sonntag, dem dritten und letzten Tag unseres Trainingswochenendes, trafen wir uns morgens im
Jugendraum, um die vorangegangenen Trainingseinheiten noch einmal per Videoanalyse durchzugehen, Urs hatte auf dem Wasser fleißig gefilmt.

Der Wind war an diesem morgen sehr schwach, dennoch gingen wir gegen 11 Uhr aufs Wasser, um das Schleppen zu üben. Um aufs Wasser zu kommen, kämpften wir uns wie jedes Mal beim Slippen 20-25 m durch den Bodensee-Schlamm. Beim Schleppen dauerte es Anfänglich etwas bis wir uns alle zusammengefunden hatten, aber letztendlich klappte es doch. Nach einer kleinen Mittagspause ging es dann noch einmal bei etwas mehr Wind als am Vormittag raus auf den See… und ja, ihr ahnt es: wieder mit gemeinsamen Kräften durch den Schlamm.

Ein großes Dankeschön an Jan und Urs, die uns das Wochenende
über ausgezeichnet betreut und trainiert haben.

Europe Segeln am Goldkanal
Europe Segeln am Goldkanal Ostern 26
Int. italienische Meisterschaft Europe am Comer See

Int. italienische Meisterschaft Europe am Comer See

Unser Jens Moerscheidt hat’s wieder getan: Grandmaster-Titel in der Europe-Klasse. Der Rest der SSG-Rottachsee-Truppe war ebenfalls mitten im Geschehen – nur eben nicht ganz so weit vorne. Schwamm drüber. Dafür gab’s am Comer See wirklich alles, was eine Regatta interessant und Segelklamotten dauerhaft feucht macht: Flaute mit Dauerregen, Starkwind, Holz, Hitze und Kälte.

Wer ein paar Tage früher nach Colico kam, wurde zunächst bei 35 bis 37 Grad weichgekocht. Dazu die typische Thermik am nördlichen Comer See. Und die kann was. Bei guten fünf Windstärken mit knackigen Böen fühlt sich das ungefähr so an, als würde ein riesiger Föhn einschaltet. Permanent.

Der Comer See ist verzwickt und verzweigt. Zwei Seearme. zwei Täler (Val Chiavenna und Valtellina), hohe Berge ringsherum und daz Thermik. Da kommt der Wind manchmal träg, drehend und gelegentlich ziemlich überraschend böig zurück. Dazu eine kurze, steile Welle, hübsch angereichert mit Dampferwellen. Und weil das noch nicht reicht, fällt der Wind manchmal über die Berge herunter und sortiert Richtung und Welle noch einmal neu. Ergebnis: Wind von hinten, Welle von der Seite – oder irgendeine andere kreative Kombination.

Beim ersten fröhlichen Trainingsschlag am Dienstag war nach gut einer Stunde klar: Das hier wird kein gemütliches Gardasee-Hängen.

Das wird ruppig.

Mittwoch: Starttraining mit Verständigungsproblemen

Mittwoch. Traumwetter, warm, Sonne – und ordentlich Wind. Knapp fünf Windstärken standen auf dem Comer See, also genau die richtige Dosis für ein gepflegtes Starttraining. Eigentlich.

Denn bevor man einen Start trainieren kann, wäre es ausgesprochen hilfreich zu wissen, wann überhaupt gestartet wird.

Die Kommandos kamen vom Motorboot. Auf Italienisch. Akustisch irgendwo zwischen Windrauschen, Wellenklatschen und Außenborder. Sprachlich waren wir ebenfalls eher mäßig kompatibel. Kurz gesagt: Wir verstanden ungefähr nichts.

Also wurde aus dem geplanten Startertraining zeitweise eine etwas freie Interpretation des Themas: vorfahren, zurückfahren, Konkurrenz beobachten, wieder vorfahren, wieder zurückfahren. Zwischendurch vielleicht starten. Oder auch nicht. Dafür gab es reichlich Gelegenheit, sich anzuschauen, wie die anderen bei knapp fünf Windstärken mit dem ruppigen Comer See zurechtkommen.

Nach rund einer Stunde war zumindest eines klar: Segelzeit hatten wir. Starterfahrung – nun ja.

 

Donnerstag und Freitag: Regen. Sonst noch was? Regen.

Am Donnerstag war Schluss mit Sonne, Hitze und elektrischem Föhn. Der Himmel machte auf Allgäuer Landregen alter Schule: Einmal angefangen, dann konsequent durchziehen. Regen. Regen. Regen. Und zur Abwechslung: Regen.

Training? Fehlanzeige.

Also wurde gelegen und gelesen. Und wenn Liegen irgendwann nicht mehr ging, setzte man sich eben irgendwo hin und las dort weiter. Seglerisch betrachtet ein eher übersichtliches Tagesprogramm.

Das Highlight kam am Donnerstagabend: gemeinsames Pizzoccheri-Essen der deutschen Truppe. Pizzocherie, das sind die Kässpatzen aus dem Valtelina. Also ohne Spatzen, dafür mit Buchweizennudeln und Wirsing. 😉

Freitag, erster geplanter Regattatag: neues Spiel, gleiches Wetter. Es regnete weiter. Ordentlich. Und irgendwann war klar: Heute wird hier gar nichts mehr gesegelt.

Damit war der erste Regattatag schon Geschichte, ohne dass auch nur ein Startschuss gefallen war.

Die Konsequenz für Samstag fiel entsprechend sportlich aus: Startbereitschaft morgens um 8 Uhr.

Acht Uhr.

Bei einer Segelregatta in Italien. Jetzt wurde es ernst.

Kalt am Comer See

Samstag: Holz vor dem Eingang. Und im ganzen Comer See.

Samstagmorgen, 7.30 Uhr. Temperatursturz um gefühlte – und vermutlich ziemlich reale – 15 Grad. Statt Sommerhitze: saukalt. Dazu ein frischer Nordwind. Die ersten Boote waren aufgebaut, wir waren angezogen, fertig und tatsächlich bereit zum Segeln.

Nur ins Wasser kamen wir nicht.

Denn da war: Holz.

Nicht ein bisschen Treibholz. Nicht hier ein Ast und dort ein Brettchen. Sondern Prügel, Stämme, ganze Bäume. Die starken Regenfälle hatten derart viel Schwemmholz in den Comer See gespült, dass sich vor dem Club auf den ersten fünf, sechs Metern eine ziemlich beeindruckende Holzbarriere aufgebaut hatte. Kein Durchkommen. Auch die Motorboote der Wettfahrtleitung konnten nicht ins Wasser.

Also warten.

Und Warten bei einer Segelregatta ist eine eigene Disziplin. Rund 50 junge, dynamische Sportler stehen mit mehr oder weniger verschränkten Armen am Ufer und beobachten aufmerksam, wie andere das Problem lösen.

Allen voran die Clubpräsidentin.

Irgendwann hallte ihr deutlich angefressenes „Andiamo, ragazzi!“ über den Platz.

Die Mobilisierungswirkung war überschaubar.

Geschätzt drei Segler fühlten sich spontan angesprochen und stiegen ins Wasser. Der Rest vertraute offenbar auf die bewährte Strategie: Nur nicht hektisch werden, das Holz wird schon irgendwie verschwinden.

Tat es natürlich nicht.

Aber mit vereinten – nun ja, zumindest einigen – Kräften entstand schließlich eine schmale Schneise durch den schwimmenden Wald. Boote durch. Segler durch. Los ging’s.

Nordwind: Wo kommt er denn jetzt schon wieder her?
Am Vormittag standen drei Wettfahrten an. Der Nordwind frischte zeitweise bis auf etwa vier Windstärken auf und machte das, was der Wind in Colico offenbar besonders gerne macht: drehen.

Und zwar nicht ein bisschen.

Winddreher bis zu 30 Grad waren drin. Das Val Chiavenna auf der einen, das Valtellina auf der anderen Seite – dazwischen der See und wir mittendrin. Wer stumpf eine Seite des Kurses absegelte, konnte ziemlich schnell feststellen, dass der Wind inzwischen andere Pläne hatte.

Die Windkante zu erwischen war entscheidend. Links? Rechts? Wo kommt die nächste Böe herunter? Wo dreht es? Ein bisschen Segeln, ein bisschen Wetterlesen und zwischendrin gepflegtes Rätselraten.

Nach drei Wettfahrten bei Kälte war der Akku jedenfalls schon ordentlich angeknabbert.

Mittagspause.

Und dann kam das Holz zurück
Nachmittags setzte die Thermik ein.

Schön, könnte man meinen.

Allerdings hatte die Thermik noch jemanden dabei: unser Schwemmholz.

Was inzwischen gemütlich Richtung Süden getrieben war, kam mit dem neuen Wind wieder zurück nach Colico. Also dasselbe Spiel von vorne. Holz vor der Einfahrt. Holz im Wasser. Holz überall.

Irgendwie kamen wir trotzdem wieder hinaus.

Auch beim letzten Lauf des Tages war nichts mit Gemütlichkeit Der Himmel war klar, die Thermik baute sich richtig auf und plötzlich war wieder ordentlich Musik im See.

Nach insgesamt vier Wettfahrten war dann auch wirklich genug Europe gesegelt.

Am Abend lud der Club zum italienischen Abendessen. Sehr nett, sehr gesellig und genau die richtige Gelegenheit, den Tag noch einmal durchzukauen.

Allzu alt wurde allerdings niemand.

Nach Kälte, Nordwind, Winddrehern, vier Wettfahrten, Thermik und einem halben Wald im Hafen war bei den meisten schlicht der Stecker gezogen.

Italienische Europe Meisterschaft
Italienische Europe Meisterschaft

Sonntag: Jens Zweiter. Fast. Sehr fast. Und letztendlich doch.

Sonntagmorgen waren die Karten wieder komplett neu gemischt. Startbereitschaft diesmal erst um 11 Uhr. Die Idee: nicht gegen den Comer See arbeiten, sondern die früh einsetzende Thermik gleich mitnehmen.

Zunächst funktionierte das auch ganz wunderbar. Bei moderaten zwei Windstärken ging es los. Entspanntes Europe-Segeln. Fast schon verdächtig entspannt.

Und Jens?

Der lag kurz vor dem Ziel auf Platz zwei.

Nur noch eine Boje runden. Dann Richtung Ziel. Fertig.

Denkste.

Die Wettfahrt wurde abgeschossen.

Warum? Wusste erst einmal kein Mensch. Allgemeines Schulterzucken auf dem Wasser. Wir warteten. Und warteten.

Schließlich kam die Erklärung: Eine der GPS-gesteuerten Regattabojen hatte sich selbstständig gemacht. Warum genau, blieb ungeklärt. Vielleicht Technik. Vielleicht Schwemmholz. Vielleicht hatte so ein kapitaler Baumstamm beschlossen, dass ihm die Boje im Weg steht.

Wie auch immer: Die Position stimmte nicht mehr, die Wettfahrt war damit hinfällig.

Jens’ zweiter Platz ebenfalls.

Danke auch.

Warten auf Wind – bis davon reichlich da ist
Nun hatten wir Zeit.

Und die Thermik ebenfalls.

Während die Wettfahrtleitung das Bojenproblem sortierte, entwickelte sich der Comer See prächtig weiter. Der Wind legte zu. Und legte noch etwas zu.

Als es endlich wieder losging, hatte die Thermik ziemlich genau ihren kräftigsten Teil des Tages erreicht.

Jetzt wurde es sportlich.

Für einige irgendwann zu sportlich. Manche starteten noch, brachen dann ab und fuhren an Land. Andere segelten die Wettfahrt fertig und beschlossen anschließend: Das reicht für heute. Wieder andere nahmen auch die nächste Wettfahrt noch mit.

So kamen am Ende sechs gültige Wettfahrten für die Meisterschaft zusammen.

Und irgendwann hatte jeder persönlich entschieden, wann der eigene Comer-See-Akku endgültig leer war.

Holz. Natürlich wieder Holz.
Wer glaubte, mit der Entscheidung „Ich fahre jetzt rein“ sei die Sache erledigt, hatte die Rechnung allerdings ohne unseren alten Bekannten gemacht.

Das Schwemmholz war wieder da.

Das Landteam kämpfte inzwischen permanent darum, wenigstens eine halbwegs brauchbare Schneise zum Club freizuhalten. Kaum war eine Lücke geschaffen, schwammen die nächsten Äste, Stämme und Baumteile hinein.

Für jeden Heimkehrer sah die Situation deshalb etwas anders aus.

Die Glücklichen erwischten gerade eine freie Schneise und konnten irgendwie durchsegeln.

Die weniger Glücklichen standen vor einem geschlossenen Holzteppich.

Segel runter. Rein ins Wasser. Boot nehmen. Und dann das gute Stück schwimmend und ziehend zwischen Baumstämmen hindurch Richtung Land bugsieren.

Segelsport kann so elegant sein.

Chapeau ans deutsche Team
Und an dieser Stelle muss ausdrücklich etwas gesagt werden:

Chapeau an das deutsche Team.

Wer seine Wettfahrt beendet hatte und bereits an Land war, verschwand nicht einfach Richtung Dusche oder trockene Klamotten. Stattdessen standen die Leute wieder im Wasser, schoben Stämme zur Seite, hielten die Schneise offen und halfen den nächsten Seglern herein.

Das war nicht spektakulär. Es gab dafür keine Punkte. Keine Pokale. Keine Ergebnisliste.

Aber ohne diese Hilfe wäre der Weg zwischen Comer See und Land für einige ziemlich schwierig geworden.

Gegen 17 Uhr waren schließlich auch die letzten Segler wieder an Land.

Dann fehlte nur noch die Siegerehrung.

Die zog sich bis ungefähr 19.30 Uhr.

Und danach?

War endgültig Feierabend.

Sechs gültige Wettfahrten, Flaute, Regen, Kälte, Thermik, Starkwind, GPS-Bojen mit Freiheitsdrang und gefühlt der halbe Alpenwald im Comer See.

Mehr italienische Meisterschaft hätte in dieses Wochenende vermutlich kaum noch hineingepasst.

Team Deutschland bei der itralienischen Europe Meisterschaft 2026
Varista Seggerling Cup & Meckatzer Europe Cup: Survival-Training & Genuss

Varista Seggerling Cup & Meckatzer Europe Cup: Survival-Training & Genuss

Es gibt Regatten, da spricht man hinterher über Winddreher, Startlinien und Taktik. Und dann gibt es Wochenenden wie den 13. und 14. Juni 2026 am Rottachsee. Da spricht man über Fallböen, Windstärken, Wellenberge, Heldentaten, Kässpatzen, Gyros – und darüber, dass Segeln manchmal einfach die schönste Form von Wahnsinn ist. Parallel gingen an diesem Wochenende der Varista Seggerling Cup mit 10 Meldungen und der Meckatzer Europe Cup mit 17 Meldungen an den Start. Also eigentlich. Denn der Wind hatte eigene Pläne. Große Pläne. Sehr große Pläne.

Wetterkino mit ordentlich Dynamik

Schon die Tage vorher war klar: Deutschland steht auf Durchzug. Nach sehr kalten Nächten wurde es langsam wieder wärmer, dazu blauer Himmel, Sonne – und schwarze und weiße Wolken, die in dicken Paketen über den See jagten. Glasklare Sicht, saubere Luft und eingebaute Windmaschine auf Stufe „sportlich bis leicht irre“. Der Rottachsee sah fantastisch aus. Und gleichzeitig so, als würde er sagen: „Na, traut ihr euch?“

Freitagabend: Kässpatzen für 30 Segler

Schon am Freitagabend wurde die Grundlage gelegt. Frische Kässpatzen für 30 Segler. Und wer nach Anreise, Aufbau und erstem Wettercheck eine dampfende Portion Kässpatzen bekommt, weiß: Dieses Wochenende meint es gut, weil Kässpatzen sind im Allgäu ja kein Gericht. Sie sind eine Haltung.

Stimmung: bestens.
Teller: voll.
Vorfreude: groß.
Windprognose: eher frech.

Am Samstag hieß es erst einmal: Startverschiebung.

Nicht, weil niemand Lust hatte. Sondern, weil zu viel Wind auf dem See stand. Und wenn am Rottachsee zu viel Wind steht, dann steht er nicht einfach nur herum. Dann springt er. Dreht. Pfeift. Fällt von oben ein. Und macht aus harmlosen Wasserflächen ein ziemlich lebendiges Fitnessstudio mit weißen Schaumkronen.

Die Europes gehen raus – die Seggerlinge bleiben klug

Die meisten Seggerlinge blieben am Samstag an Land. Bei diesen Verhältnissen war das keine Schwäche, sondern gesunder Menschenverstand. Mit ihren doch sehr üppig betuchten Jollen war die Gefahr, dass etwas kaputtgeht doch recht groß. Relativ vereint, waren sie am Anfang, die Segler.

Die Europe-Segler waren gespalten. Während manche wenige schon über fantastische Segelbedingungen schwadronierten, waren die Hälfte schon eher skeptisch.

Und dann wurde es ernst.

Drei Wettfahrten für die Europes
1. Wettfahrt:
5 bis 6 Beaufort, in Böen teilweise 7. Also kein Segeln, sondern Charakterbildung mit Pinne.

2. Wettfahrt:
4 bis 5 Beaufort, in Böen 6, dazu stark drehend. Böen mit 20 bis 25 Grad Dreher. Da konnte man Pläne machen. Der Wind hatte trotzdem bessere.

3. Wettfahrt:
5 Beaufort, mit wenigen Böen um gute 6. Für diesen Tag fast schon die gemütliche Nachmittagsvorstellung. Also relativ. Sehr relativ.

Das Ganze war weniger entspanntes Dahingleiten als vielmehr Survival-Training mit Segelnummer. Sportlich könnte man sagen. Sehr sportlich. Da wurden nicht nur Segel, sondern auch Nerven, Oberschenkel und Reaktionsvermögen einmal kräftig durchgewaschen. Aber: Die Sonne kam tagsüber immer wieder durch, es wurde warm, die Stimmung war superklasse. Der Wind blieb zickig. Aber irgendwie auch klasse sympathisch.

Kurzes Dreieck, großes Danke

Am hinteren Teil des Sees baute sich zusätzlich eine ordentliche Welle auf. Teilweise fast einen Meter hoch und sehr knapp nacheinander. Und wer den Rottachsee kennt, weiß: Das ist dann kein nettes Plätschern mehr, sondern eine Einladung zum Fluchen in mehreren Dialekten. Zum Glück setzte die Wettfahrtleitung das Dreieck relativ kurz. So musste niemand in den unteren Teil des Sees, wo die Welle richtig unangenehm wurde. Eine sehr gute Entscheidung. Souverän, umsichtig und mit viel Gefühl für die Bedingungen. Ganz großes Danke dafür.

Und überhaupt: Die Sicherheit auf dem Wasser war jederzeit spürbar. Durch die Rettungsboote, durch die Aufmerksamkeit der Wettfahrtleitung und durch Markus, der wie immer als Bojenleger unterwegs war und auch Rettungseinsätze fuhr, fühlte man sich trotz dieser wilden Bedingungen gut aufgehoben. Das muss man an so einem Wochenende erst einmal schaffen: Wind wie im Schleudergang – und trotzdem Vertrauen auf dem Wasser.

Anlanden mit Fallböen: Teamwork statt Hafenkino

Wer nicht draußen war, war deshalb noch lange nicht untätig. Besonders stark war, wie die an Land gebliebenen Seglerinnen und Segler beim Anlanden halfen. Und das war bei diesen Böen wirklich kein kleiner Freundschaftsdienst. Teilweise kamen die Böen als Fallböen über den See. Da wird aus „Ich lege mal eben an“ schnell ein sehr dynamisches Gemeinschaftsprojekt mit nassen Beinen, vollem Körpereinsatz, langen Armen und erhöhtem Puls.

Aber genau da zeigte sich, was so ein Regattawochenende ausmacht: Zusammenhalt. Aufmerksamkeit. Anpacken. Kein großes Gerede, einfach helfen. Großartig.

Samstagabend: Gyros, Salate und Tzatziki gegen den Muskelkater

Nach diesem Samstag war klar: Die Segler hatten sich ihr Abendessen verdient. Sehr verdient. Es gab Gyros, viele Salate und ein wunderbares Tzatziki. Und plötzlich war alles wieder gut. Der Wind wurde etwas schöner geredet, die Böen wurden in den Erzählungen noch ein bisschen größer, und jeder wusste: Genau deshalb fährt man Regatta. Wegen dieser Mischung aus Anstrengung, Adrenalin, Gemeinschaft und Essen, das nach so einem Tag doppelt so gut schmeckt.

Sonntag: Auch die Seggerlinge starten

Am Sonntag gingen dann beide Klassen aufs Wasser. Für die Seggerlinge und die Europes gab es eine Wettfahrt bei 4 bis 5 Beaufort, in Böen 6 und weiterhin drehendem Wind. Auch das war kein Spaziergang. Aber nach dem Samstag hatte sich die Definition von „viel Wind“ bei einigen vermutlich ohnehin verschoben. Bei den Europes standen am Ende vier gültige Wettfahrten. Damit gab es einen Streicher. Und damit auch ein Ergebnis, das zu diesem wilden Wochenende passte.

Nicht alle gingen raus – völlig nachvollziehbar

Bei den Europes starteten fünf Segler gar nicht. Bei den Seggerlingen gingen vier Boote überhaupt nicht an den Start. Und ehrlich: Bei diesen Bedingungen war das absolut nachvollziehbar. Regatta ist Sport. Aber Regatta ist auch Einschätzung. Material, Können, Bedingungen, Bauchgefühl. Wer draußen war, hatte alle Hände voll zu tun. Wer drinnen blieb, hatte gute Gründe und einen ehrlichen Blick auf sich selbst. An diesem Wochenende musste niemand beweisen, dass der Rottachsee stärker sein kann als man selbst. Das wusste man auch so.

ERGEBNISSE

Meckatzer Europe Cup: 

Bei den Europes dominierte ein starkes Trio mit deutlichem Abstand zum restlichen Feld.

1. Platz: Paul-Jannik Haufe
2. Platz: Sandra Diebel
3. Platz: Annika Haufe

Das war echte Segelpower. Und dazu Frauenpower satt auf den Plätzen zwei und drei. Diese drei Segler hingen die Messlatte sehr hoch. Chapeau! Böen? Dreher? Druck? Alles offenbar nur zusätzliche Dekoration. Respekt. Das war stark.

Varista Seggerling Cup: 

Bei den Seggerlingen setzte sich Jörn Töne durch.

1. Platz: Jörn Töne
2. Platz: Achim Ramp
3. Platz: Thomas Böttinger

Auch hier: starke Leistung bei Bedingungen, bei denen schon das sichere Ankommen ein eigener kleiner Pokal gewesen wäre.

 

Was sonst noch erwähnenswert war

Pluspunkte: 800 Kilometer Anfahrt – für Wind, Welle und Kässpatzen
Besonders schön: Der am weitesten angereiste Teilnehmer hatte rund 800 Kilometer Anfahrt. Und er kommt schon seit einigen Jahren immer wieder an den Rottachsee.
Auch die zweitweiteste Anreise war beachtlich: 600 Kilometer vom Mondsee. Auch diese Segler sind seit Jahren regelmäßig dabei.
Das sagt viel über diese Regatta. Über den See. Über den Verein. Über die Stimmung.

Quintessenz:
Ein Wochenende wild, spannend, außergewöhnlich und schön.

 

Hier noch ein weiterer Bericht der Seggerling Segler

Osterregatta am Goldkanal 2026

Osterregatta am Goldkanal 2026

Es ist März und meistens kalt. Aber eine echte Europe-Seglerin und den dazugehörigen Europe-Segler schreckt nichts. Und so haben wir für uns die neue Segelsaison am Goldkanal mit der alljährlichen Osterregatta eröffnet.

Die Anreise war am Karfreitag recht entspannt und es gab, wie immer nach dem diesmal wirklich laaangen Winter (kurz vor der Regatta gab es nochmal gut Schnee im Allgäu) das gewohnte "große Hallo" mit herzlichen Drückern und einem " schön, euch endlich wiederzusehen" ... am Freitagnachmittag gab es noch ein RCR-Internes Training, bei dem aber auch jeder, der Lust hatte, teilnehmen durfte... Es hatte stattliche 4 Bft Wind aus SW, war sehr böig mit vielen Drehern.... Fast perfekt zum anfangen 😉

Am Abend wurde der Grill angeheizt. Jeder, der angemeldet war, ließ es sich schmecken und spendete auch ordentlich. Übrigens ein sehr stimmiges bezahlen, denn so wird auch den fleißigen Helferlein Respekt gezollt, und die Vereinskasse gefüllt.  Herzlichen Dank für die guten Leckereien, die auf und neben dem Grill plaziert waren.

Der 1. Regattatag startete ein wenig ungemütlich. Es nieselte immer mal wieder und es war den ganzen Tag eher Wolkenverhangen, entgegen der Wettervorhersage. Die letzten Regattateilnehmer trudeln auch nach und nach ein und bauten auf.
Der Wind war angenehm zu segeln, es wurden 2 Wettfahrten ausgetragen. Vorhergesagt waren 4 Bft aus SW, in Böen 6, die blieben aber weitestgehend aus, ein Dank an den lieben Petrus...
Der Samstag klang, wie üblich, mit dem Abendessen und einer anschließenden Tombola aus. Bevor es in die Koje ging, machten wir noch einen nächtlichen Spaziergang unter sternklarem Himmel...

Uiii, ist da nicht gerade der Osterhase um die Ecke gehoppelt?
Tatsächlich...

Am Sonntag früh fanden die Segler erst einmal kleine Osterüberraschungen auf den Booten, ein kleines Highlight vor den folgenden Wettfahrten. Der Wind ließ auch nicht lange auf sich warten und entsprach tatsächlich der Vorhersage der Wetterdienste: 4 Bft aus SW, in Böen 6 und Sonnenschein. Es zischte zeitweise schon ordentlich und frischte im Laufe des Tages noch einmal gut auf. Einige Seglerinnen und Segler haben recht bald den Weg zurück in den Hafen gewählt (u. a. ich), während die ganz unerschrockenen ihren "Spaß" hatten ( z.B. Jens).

Mit der Siegerehrung und einem abschließenden Gruppenfoto aller Teilnehmer war unsere erste Regatta der Saison nun abgeschlossen. Die Heimreise haben wir in einem Rutsch und ohne Stau bewältigt.

An dieser Internationalen Osterregatta am Goldkanal haben 23 Europe- und 30 Finnsegler teilgenommen.
Bei den Europes haben den 1. und den 2. Platz Elisa Kebschull und Pilar Hernandez-Mesa (beide vom RCR) belegt und Platz 3 ersegelte sich Jens.

Wir fahren immer gerne zum Goldkanal, nicht nur zum Segeln, auch um Freundschaften zu pflegen … wir freuen uns schon auf die Herbstregatta im RCR.

Wir grüßen euch alle herzlich …
Eure/Euer
Simone       und       Jens
GER 1474               GER 1638

Europe Segeln am Goldkanal
Europe Segeln am Goldkanal Ostern 26
Ruppiger Wind bei der Osterregatta am Goldkanal 2026
Doppelbericht aus der Europe-Szene: Herbstwind & Europetrichter Regatta

Doppelbericht aus der Europe-Szene: Herbstwind & Europetrichter Regatta

Zum Saison-Ende lockt immer der Goldkanal und die Regatta am Brombachsee. Seit Jahren fixe Termine in unserem Regatta-Kalender.

Am Goldkanal zur Herbstwindregatta am 27./28.09.25

Wir kamen, wie immer, am Freitag Abend an, richteten unser mobiles zu Hause ein und bauten die Boote halbwegs auf. Anschließend verbrachten wir noch einen netten Abend bei Wein und Keksen mit den Europeseglern, die schon da waren. Der Samstag startete recht gechillt: gemütliches Frühstück, Boote segelfertig aufbauen, zur Regatta anmelden, Steuerleutebesprechung... Alles wie gewohnt.

Samstags hieß es: warten... auf Wind... Dabei wurden wir gut verköstigt. Bratwurstsemmel, Kuchen, Kaffee... Deus Ventus ließ halt auf sich warten. Wir Europesegler können uns aber auch gut anderweitig beschäftigen.
Sonntags kamen wir dafür in den Genuss, 4 Wettfahrten zu segeln. Anfangs war der Wind etwas zaghaft, baute sich aber von Wettfahrt zu Wettfahrt gut auf. Bei den Tonnenrundungen wurde es tatsächlich auch sehr spannend, wenn ganze Seglerknäuel anrückten.

Wieder an Land kam es auch bald zur Siegerehrung und 20 Europesegler warteten gespannt auf ihre Platzierungen. 
Wir SSGR'ler haben Platz 2 (Jens) und Platz 12 (Simone) belegt.

Legendäre Brombachsee Regatta

Nach der Regatta beim RCR stand nun noch der Brombachsee am 11. und 12.10.25 als Saisonabschluss auf dem Plan. Man merkt, dass diese Regatta einen gewissen Kultstatus hat, reihten sich doch die Bobbycars schon aneinander...
Hier waren 38 Segler gemeldet. Anscheinend hat Deus Ventus sich am Goldkabal zu sehr verausgabt, da der Wind nun am Brombachsee auf sich warten ließ. Zwar hieß es am Samstag: warten auf dem Wasser, aber das schüchterne Lüftchen zog es vor, sich ganz zurück zu ziehen. Also wieder an Land. Abends gab es Burger mit Salat.

Das Alternativprogramm am Sonntag war auch nicht ohne: machten wir halt ein Mini-Auto-Rennen den Berg hinunter. Manch einer hatte so viel Schwung, dass es bis zur Slipanlage und in den See gereicht hätte, der jeweilige Fahrer bog aber vorher ab. Auch Spaziergänge wurden gemacht oder "Uno flip" gespielt, wir hatten ja Zeit. 
Statt einer Siegerehrung gab es zunächst eine Preisverleihung. Zusätzlich wurde wieder der Wanderpreis der Süddeutschen Europe-Meisterschaft vergeben. Jeder wurschtelte und werkelte noch, um die Boote zu verladen und dann wurde wieder, schweren Herzens, Abschied genommen.

Man wünschte sich schon Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch, gefolgt von Helau, bis zum nächsten Wiedersehen an Ostern. Wir freuen uns schon darauf.

Ein dickes Dankeschön an die Land- und Wasserteams beim RCR am Goldkanal und YCN am Brombachsee. Wir kommen wieder...

Es grüßen euch zum Saisonende

Simone und Jens
GER 1474 GER 1638

Europe Regatta in Partwitz 2025

Europe Regatta in Partwitz 2025

| Bericht von Florian Sonneck |

Im Mittelpunkt stand die Europe-Klasse, die mit 38 Meldungen und 35 gestarteten Booten das größte Feld stellte. Schon am ersten Start war spürbar, wie eng die Entscheidungen ausfallen würden. Den Sieg holte sich schließlich der Tscheche Tomáš Mlejnek, der mit einer konstant starken Serie seine internationale Klasse unter Beweis stellte. Lukas Schmidtchen (SG Seeburg) erkämpfte sich den zweiten Platz, während sich Janko Dietz (Segelclub Turbine Bleiloch) in einem Herzschlagfinale knapp gegen Anne Marung (Berliner Segel-Club) behauptete und Dritter wurde. Nur wenige Punkte trennten die ersten fünf – ein eindrucksvolles Zeugnis für die Leistungsdichte in dieser Klasse.

Europe-Klasse als Herzstück der Regatta

Ein besonderer Moment für unseren Verein

Für unseren Vereinskameraden Florian Sonneck wurde es ein Wochenende voller Höhen und Tiefen. Gleich im ersten Rennen gelang ihm ein nahezu perfekter Auftakt: Mit starkem Start lag er an der ersten Luvtonne auf Platz zwei, segelte das erste Dreieck sogar an der Spitze und erreichte schließlich Rang zehn. Ein beeindruckender Moment, der einmal mehr zeigte, dass sich Trainingsfleiß und Erfahrung auszahlen. In den folgenden Rennen machte sich jedoch die Unbeständigkeit des Windes bemerkbar: mit den Platzierungen 17, 21, einem RAF (retired after finish) nach einem Regelverstoß an der Leetonne und einem 22. Platz im letzten Lauf war die Serie nicht mehr ganz so erfolgreich. Dennoch überwog die Freude, bei einer der großen Europe-Regatten dabei gewesen zu sein – und der Stolz auf einen glänzenden Auftakt, der in Erinnerung bleibt.
Besonders erfreulich: Mit den gesammelten Ranglistenpunkten kletterte Florian in der Europe-Master-Rangliste nach den Regatten in Ratzeburg, bei der Meckatzer-Regatta und nun in Partwitz auf Platz 19 von 56. Herzlichen Glückwunsch! Und ein großes Bravo geht auch an Jens Morscheid, der aktuell auf Rang sechs liegt. Die vollständige Übersicht findet sich unter Europe-Klassenvereinigung Rangliste.

Fazit:
Die Jubiläumsregatta hat einmal mehr gezeigt, wie lebendig und herzlich der Segelsport in der Lausitz ist. Auf dem Wasser spannungsgeladene Wettfahrten, an Land helfende Hände, Kuchenbuffet und fröhliche Begegnungen – so bleibt das Wochenende in Erinnerung. Nach zehn Jahren hat sich die EurOpti-Regatta endgültig als fester und liebenswerter Bestandteil des Regattakalenders etabliert.