Der 1. Mai 2026 machte seinem Namen alle Ehre: Feiertag. Segeltag. Glückstag. Beim Ansegeln am Rottachsee zeigte sich das Allgäu von der völlig unverschämten Postkarten-Seite. Verschneite Berge im Hintergrund, gelbe Löwenzahnwiesen rundherum, Sonne satt und auf dem Wasser Wind zwischen zwei und vier Beaufort. Aufrischend. Böig. Sportlich. Also genau richtig, um nach der langen Winterpause herauszufinden, ob Mensch, Material und Reflexe noch miteinander sprechen.
Spoiler: Sie taten es. Meistens.
Zwölf Boote, ein See und ziemlich viel Lust auf Saison
Zwölf Boote gingen an den Start: zwei Zweirumpfboote, ein Optimist und 9 Jollen. Ein feines, buntes Feld also. Vom Nachwuchs bis zum alten Hasen, vom konzentrierten Trimm bis zum charmanten „Ach, das geht schon noch“-Manöver war alles dabei.
Gesegelt wurde nach Yardstick. Und zwar mit ordentlich Bewegung in der Kiste. Der Wind hatte offensichtlich beschlossen, die Wintermüdigkeit aus allen Segeljacken zu pusten. Mal freundlich, mal frech, mal mit einem kleinen Böen-Schubser von der Seite. Genau diese Mischung, bei der Segler erst breit grinsen und dann sehr schnell wieder sehr wach sind.
Winterpause? Zack, erledigt
Nach Monaten an Land ging es also direkt wieder ans Eingemachte. Keine sanfte Eingewöhnung, kein vorsichtiges Herantasten, kein „Wir schauen erst mal“. Sondern: Hängen. Strecken. Böe ausreiten. Und ja, alle waren gefordert. Sehr sogar. Der See sah zwar aus wie ein frisch gedrucktes Urlaubsposter. Aber war trotzdem ein kleines Trainingslager mit Bergblick.
Herrlich.
Pirouette mit Showeinlage
Manche müssen natürlich immer auffallen. Für den künstlerischen Teil sorgte diesesmal unser zweiter Vorstand im Laser. Beinahe-Kollision mit der einzig teilnehmenden Yacht (Leiners Zugvogel). Fast. Sehr fast. Eine Bootsberührung und eine Pirouetteneinlage, die irgendwo zwischen Ballett, Hafenkino und „Das war so geplant“ einsortiert werden darf.
Das Publikum: innerlich begeistert.
Die Beteiligten: wach.
Der See: unbeeindruckt.
Und weil ein guter Auftritt Wiedererkennungswert braucht, gab es auch noch eine Kenterung. Wieder unser zweiter Vorstand. Konsequent, sportlich, publikumswirksam. Ganz klar: Wer Verantwortung trägt, geht eben mit gutem Beispiel voran. Auch kopfüber.
Souveräne Wettfahrtleitung, faire Segler, volle Freude
Bei allem Spaß: Die Wettfahrtleitung hatte das Geschehen jederzeit souverän im Griff. Ruhig, klar, unaufgeregt. Genau so, wie man es sich wünscht, wenn auf dem Wasser Böen, Kurse, Boote und kleine Überraschungen gleichzeitig unterwegs sind.
Besonders schön: Die Stimmung war durchgehend fair. Kein Gezeter, kein großes Drama, keine verbissenen Gesichter. Stattdessen viel Lachen, viel gegenseitige Rücksicht und dieser herrliche Vereinsmoment, in dem alle wissen: Es geht ums Segeln. Aber vor allem geht es darum, gemeinsam wieder draußen zu sein.
Siegerehrung? Rechenprogramm sagt nein
Nach dem Segeln ging es an Land direkt genussvoll weiter. Kuchen. Gespräche. Fachsimpelei. Lachen. Später wurde gegrillt. Und spätestens da war klar: So darf eine Segelsaison beginnen. Mit warmen Gesichtern, müden Armen, nassen Füßen hier und da, vollen Tellern und diesem leichten Kribbeln, das sagt: Jetzt geht es wieder los.
Eine Siegerehrung gab es leider nicht. Das Rechenprogramm streikte. Digitaler Frühjahrsputz, vermutlich. Oder auch einfach: Technik in der Trotzphase. Und Kopfrechnen kann niemand mehr. Was solls. Den Teilnehmern wars ziemlich egal. Nach diesem Tag brauchte niemand dringend eine Ergebnisliste, um zu wissen, dass es ein voller Erfolg war. Sieger war sowieso der 1. Mai. Dicht gefolgt von Wind, Kuchen und Grillgut.
Fazit: Mehr Auftakt geht kaum
Traumwetter, sportlicher Wind, zwölf Boote, faire Segler, eine souveräne Wettfahrtleitung, eine Prise Hafenkino und ein Allgäu-Panorama zum Niederknien: Das Ansegeln am Rottachsee 2026 war ein fantastischer Auftakt in die neue Segelsaison.
Oder kurz gesagt:
Winter aus.
Segel hoch.
Glück an.
Es wurden viele Fotos gemacht. Die Bilder vom Ansegeln am Rottachsee stehen in der SSGR-Cloud zum Download bereit.




